Ethnografische Forschung (Zürcher Hochschule der Künste)
Wie Robert E. Park von der klassischen, soziologischen Chicago School verstehen wir die Stadt als Ort der kulturellen Verdichtung. Die Stadt ist geprägt von Binnenexotisierung; Subkulturen und Szenen definieren sich durch mehr oder weniger sichtbare Zeichen, Slangs und Symbole, die wir als kollektive Repräsentationen verstehen und beschreiben.
Wir nähern uns ethnografisch bzw. mit einem 'methodischen Anarchismus', um es mit dem Begriff vom Kulturanthropologen Roland Girtler zu sagen, einer gewählten Szene. Wir kombinieren Methoden der Anthropologie und der Soziologie, um das Fremde im Vertrauten oder vielleicht auch das Vertraute im Fremden erfassen und in einer Präsentation darstellen zu können. Wir reflektieren dabei auch kultur- bzw. subkulturtheoretische Zusammenhänge. Die Lernziele sehen wie folgt aus: Verständnis für kultur- und subkulturtheoretische Zusammenhänge, Sichtbarmachen von kulturellen Codes, Schulung des ethnologischen Blicks, Einführung in die qualitative Forschung, in teilnehmende Beobachtung und Interviewtechniken. Erfahrungs- und Rollenreflexion: Welche Vorstellungen bzw. Vorurteile haben wir vor dem Feldzugang von der Subkultur? Werden diese im Forschungsprozess verworfen oder bestätigt? Geben wir uns im Feld als 'Forscher' zu erkennen? Falls ja, verändern wir durch unsere Präsenz die beobachtete Lebenswelt? Oder: Verändert sie uns? Findet gar ein 'Going native' statt – also ein Übertritt? Bedeutet ein Going Native ein Distanzverlust? Oder macht er die Beschreibung einer Lebenswelt überhaupt erst möglich? Wichtig sind auch die Umsetzung und die Präsentation: Wie gehen wir mit den auf dem Feld gewonnenen Erkenntnissen um? Wie verdichten wir unsere Felderfahrung und wie erzählen wir sie in einer Geschichte?
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